Banküberfall

Kessie und Victor standen vor einer Bank. In der Bank herrschte reger Betrieb. Die Sonne stand hoch am Horizont. Junge Frauen trugen luftige Tops und knappe Röcke, die teilweise mehr zeigten als verbargen. Viele Männer hatten sich ihr Poloshirt aufgeknöpft und schlurften lässig in Flip Flops die Straßen entlang. Geschäftsleute hatten ihr Jackett leger über die Schulter geworfen.
Kessie und Victor betraten die Bank. An beiden Schaltern hatten sich große Schlangen gebildet. In eine von den beiden reihten sich Kessie und Victor ein.
„Sag mal Kessie, hast Du dieses Mal wenigstens einen Plan?“
„Nö.“
„Dann machen wir es wie jedes Mal?“
Kessie lächelte und nickte. Victor gab ein tiefes seufzen von sich.
„Aber immer dieser Lärm, dieser Stress, diese Hektik.“
„Eben. Das macht das ganze doch noch aufregender!“
Wieder musste Victor seufzen.
Es dauerte eine Gefühlte Ewigkeit, bis sich die Schlange vor dem Schalter entfernt hatte und die beiden an der Reihe waren. Geduldig wartete die Dame auf den Wunsch der kleinen, zierlichen Frau und dem großen, muskulösen Mann. So wie die beiden da standen konnte man sie für ein junges Pärchen halten.
„Dies ist ein Banküberfall.“ Es platzte einfach so plötzlich aus Kessie heraus. Die schon etwas ältere Frau am Schalter schaute verdutzt.
„Ja ja, sie haben richtig gehört. Das hier ist ein Banküberfall.“
„Aber tragen Bankräuber nicht immer eine Maske und bedrohen die Angestellten mit einer Waffe?“ Mehr fiel der Frau gerade nicht ein. Sie wusste nicht so recht was sie davon halten sollte.
„Ja, aber so ist es doch viel lustiger, oder?“
Victor musste wieder seufzen.
Kessies besondere Fähigkeit war das sie sich in Rauch verwandeln konnte.
Uns so verwandelte sie sich in Rauch und schwebte durch die Schalteröffnung hindurch. Auf der anderen Seite angekommen kramte sie nach einem Stoffbeutel in ihrer Hosentasche und fing an das Geld aus dem Geldfach dort hinein zu stopfen. Verdutzt schaute ihr die Schalterdame dabei zu.
„Nun machen sie schon. Betätigen sie doch endlich den Alarmknopf.“
Die Dame am Schalter wachte endlich aus ihrer Trance auf und drückte den Knopf unter ihrem Pult.
Als Kessie das Fach geleert hatte ging sie verträumt zum anderen und wiederholte die Prozedur. Die Anwesende Menschenmenge traute ihren Augen nicht und bestaunte das Geschehen ehrfürchtig.
Nur Victor nicht. Er seufzte.
Nachdem Kessie auch dieses Fach geleert hatte verwandelte sie sich wieder in Rauch und schwebte zurück zu Victor.
„Okay Brüderchen, wir können los.“
Victor mag es gar nicht wenn Kessie ihn Brüderchen nennt. Eigentlich ist er ja nur dabei, um auf seine kleine Schwester aufzupassen. Sie Vertraut zu sehr ihren Fähigkeiten und denkt einfach nicht an die Risiken. Sie ist leichtsinnig. Sie rennt von einer Dummen und undurchdachten Aktion zur nächsten. Das geht schon so seit sie von ihren Fähigkeiten weiß. Sie überfällt Banken und raubt Geschäfte aus. Warum? Weil sie es kann. Langeweile und der Wunsch nach Nervenkitzel sind ihre Motivation.
Mittlerweile ist die Polizei eingetroffen. Die Streifenwagen haben vor dem Gebäude geparkt. Vier Stück stehen bereit, weitere sind den Sirenen nach zu urteilen unterwegs. Die Polizisten haben sich schützend hinter ihren Streifenwagen postiert.
Kessie und Victor haben sich Demonstrativ vor dem Gebäude aufgebaut.
Voller Vorfreude hüpft Kessie von einem Bein aufs andere.
„Oh man oh man. Endlich geht es los!“
Victor ließ einen tiefen Seufzer von sich.

- Fortsetzung folgt -

 

(c) Stefan Lüthje - 2008 

26.5.08 21:46

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